Ostfriesentee (mit Kandis und Sahne-„Wölkchen“): Woher kommt das?
Ostfriesentee stammt aus Ostfriesland an Deutschlands Nordseeküste. Die kräftige Mischung, meist Assam, wird über ein Stück Kandis gegossen und mit einem kleinen Sahnewölkchen gekrönt, und seit rund 300 Jahren ist die Region ein Land der Teetrinker.
Tee statt Bier
Bevor der Tee kam, war das wichtigste Getränk der Region Bier aus örtlichen Brauereien. Um 1610 brachten Schiffe der Niederländischen Ostindien-Kompanie den ersten Tee nach Europa, und ostfriesische Seeleute auf niederländischen Schiffen brachten ihn wahrscheinlich bald darauf mit nach Hause. Um 1675 nahm man ihn noch ausschließlich als Medizin, doch um 1720 hatte Ostfriesland bereits einen großen Teehandel. Billiger als Bier und als Getränk gepriesen, das nicht berauscht, verbreitete sich der Tee im späten 18. Jahrhundert in der ganzen Region.
Der König, der den Teekrieg verlor
Nachdem Ostfriesland unter die Herrschaft König Friedrichs II. gekommen war, versuchte er ab 1768, seinen ostfriesischen Untertanen den Tee abzugewöhnen, weil er Geld ins Ausland trug. Ein Erlass von 1778 empfahl stattdessen Melissentee und mehr Bier aus heimischen Zutaten. Die Ostfriesen antworteten mit Schmuggel und heimlichem Teetrinken. 1779 schrieb ihre Ständeversammlung, Tee und Kaffee seien so tief verwurzelt, dass man die menschliche Natur selbst ändern müsste, um sie aufzugeben. Innerhalb weniger Jahre gab der König seinen Plan auf.
Warum viele auf England tippen
Kräftiger Schwarztee mit Zucker und Sahne klingt englisch, doch die ostfriesische Teezeremonie ist ganz eigen. Heißer Tee wird über ein Kluntje gegossen, ein Stück Kandis, das knistert, wenn der Tee darauf trifft. Die Sahne wird sanft am Tassenrand hineingegeben; sie sinkt ab und steigt dann zu einem kleinen Wölkchen auf, dem Wulkje. Niemand rührt um, sodass jeder Schluck anders schmeckt: erst milde Sahne, dann kräftiger Tee, dann Süße. Drei Tassen sind das höfliche Minimum.
Quellen: de.wikipedia.org ↗ · unesco.de ↗ · niedersachsen-tourism.com ↗